Gemeindefahrten

Rückblick auf die

Gemeindefahrt 2017

Ziel der alljährlichen Gemeindefahrt mit Gernot und Robert waren in diesem Jahr die Marken - wo Italien am typischsten ist.
Neben dem nicht mehr wegzudenkenden Reisetagebuch in Versform von Ingrid Hecker gibt es wieder einen sehr ausführlichen - und trotzdem kurzweiligen - Reisebericht von Herrn Dr. Suerbaum. Den Reisebericht finden Sie  hier,

das Reisetagebuch folgt hier:

Gemeindefahrt 2017  -  26. Februar bis 5. März 2017

Die Marken

Sonntag, 26.02.2017

Wilfried erteilt den Reisesegen
für alle, die da sind zugegen.
Irmgard will mich gleich verpflichten,
auch diesen Ausflug zu bedichten.
Das Ziel der Reise sind die Marken.
Robert kommt mit neuem Bus
(für den alten ist bald Schluß).

Wir starten sonntags, denn da sei
die Autobahn wahrscheinlich frei.
Doch die ist voller Blechkolonnen;
um aller Nerven zu verschonen,
verlassen wir die Drängelei,
fahr’n am Tegernsee vorbei,
später auch am Achensee;
in der Gegend liegt noch Schnee.

Die Landschaft schickt uns ihre Grüße:
Seen, Berge, Burgen, Flüsse.
Dann erscheint der Gardasee,
wir sind im Süden angekommen,
das zeigt die Vegetation.

Von der Stimmung eingenommen,
machen wir erst mal Station.
Das Hotel ist ein Genuß.
Robert fährt den Bus zum Parken.

 

Rosenmontag, 27.02.2017

Es geht am Gardasee entlang
durch Dörfer, eins heißt Malcesine.
Da steht noch eine Burgruine,
von der hat Goethe einst eine Zeichnung gemacht.
Das stellte ihn unter den üblen Verdacht,
er sei ein Spion in geheimer Mission.

Es gab Argumente und einigen Zank:
„Meine Herrn, ein Spion mit Routine malt eine Ruine?
Na, hören Sie mal, wer glaubt das schon?“
Doch Goethe ist erst freigekommen,
als jemand für ihn Bürgschaft übernommen.
Immerhin dann, dem Himmel sei Dank.

Bologna, la dotta oder la grassa,
die Gelehrte oder die Fette.
Es stellt sich die Frage, wie man’s gern hätte,
wenn einem nur gut zwei Stunden bleiben.

Gernot, der lehrende Tausendsassa,
schafft es, daß wir beides betreiben.
Er zeigt uns Sankt Stefano, einen Kirchenbau,
der alte Stile in sich vereint:
Antike, Byzanz, lombardische Zeit,
Mittelalter – wenn man es böse meint,
ist es ein Architekturverhau;
das so zu seh’n, geht natürlich zu weit.

Dann genießen wir Bologna, die Fette:
Mortadella, Schinken und Wurst vom Mette,
alles geschnitten in hauchdünne Scheiben,
dazu Wein, Fruchtsaft und frisches Wasser
lassen genüsslich sich einverleiben.

Gerade so schaffen wir’s in den Bus hinauf,
Robert steuert der Reise weiter’n Verlauf,
in Senigalli wachen wir wieder auf.

 

Dienstag, 28.02.2017

In Ancona scheint der Himmel verdreht,
wenn es um dessen vier Richtungen geht.
Die Stadt ist gebaut auf steilem Gelände.

San Ciriaco, das hoch auf dem Berge steht,
gewährt Aussicht auf das Tor zum Osten.
So nennt man den Hafen mit Trajansbogen.
Von hier fahren Schiffe nach Griechenland. 

Die Altstadt, mit Bomben überzogen,
wurde im Krieg fast gänzlich vernichtet
und bisher nicht wieder neu errichtet.

Vom Amphitheater erkennt man noch Reste,
auch ein Mosaik, in schwarz-weiß gehalten.
Das heißt, es entstand vor der Zeitenwende,
danach änderte sich der technische Stand,
man begann, Mosaiken bunt zu gestalten.

In der Stadt kann man Meeresfrüchte kosten,
ein Genuß sogar für verwöhnte Gäste.

In Jesi kam Friedrich der Zweite zur Welt,
politisch erwünscht und wie bestellt.
Das hatte die altbekannten Gründe:
es ging um Herrschaft, Macht und um Pfründe.

Der Ordensgründer Bernhard von Clairvaux
richtete Chiaravalle in Castagnola ein,
seiner Zeit gemäß in romanischem Stil.
All seine Klöster baute er so,
sie sollten überall einheitlich sein,
daran lag ihm offenbar viel.


Aschermittwoch, 01.03.2017

Eine Hochburg der Frührenaissance ist Urbino
mit dem Palazzo Ducale des Federico
de Montefeltro, der einst avancierte
vom Comes zum Dux und das dokumentierte
baulich an Tür- und Fensterrahmen
und Stellen, die sonst noch in Frage kamen.

Bei Furlo gab’s Picknick zur Mittagspause
mit Gisas Eierlikör für die Sause.
Würstchenwünsche, abgekürzt:
Wüwü, nahm Schiffskoch Robert entgegen.
Debreciner und auch Wiener,
mit mittelscharfem Senf gewürzt,
ließen wir uns auf Pappteller legen.
Viel Feines gab es zu verzehren,
zum Abschluß Kuchen mit Zimt und Beeren,
Christine und Rüdiger sehr zu Ehren.

Die Furlo-Schlucht
haben wir nicht besucht:
die Straße dorthin ist abgestürzt.

San Vincenzo haben wir noch bewundert,
eine Gründung aus dem elften Jahrhundert
von Piero Damiani, der damals schon ahnte
und die katholische Kirche ermahnte,
es werde nicht gutgeh’n mit ihrem Machtstreben,
sie solle sich lieber bescheidener geben.

Dann verlief da die Via Flaminia,
auch die war zur Machterhaltung da.
Um das römische Großreich zusammenzulöten,
waren Verkehrswege dringend vonnöten.

Fano war einst gänzlich umgeben
von einer Mauer aus römischer Zeit.
Viel davon konnte bis jetzt überleben,
darunter auch der Augustusbogen,
ein Tor, durch das ein und aus wir zogen,
als wär’n wir in ferner Vergangenheit.

 

Donnerstag, 02.03.2017

In Monte Cònero auf dem Berge
steht ein Kloster, jetzt Nobelherberge.
Nur die Kirche ist noch als solche geblieben.
Der Brunnen im Hof: voll Marienkäfer,
soeben erwachte Winterschläfer,
die langsam wieder das Krabbeln üben.

Alles andere ist hier noch geschlossen;
wir haben die prachtvolle Aussicht genossen.
Wald, Wiesen, Berge, Meer und Küste,
der Sandstrand bildet ein kleines Stück Wüste.
Alles, was es gibt auf der Welt,
ist in den Marken zusammengestellt.

Zur Mittagspause geht’s an den Strand,
wir bauen auf unsern Picknickstand.
Unter Pinien und Palmen
läßt Robert seine Küche qualmen.
Eine frische Brise spielt mit dem Sand.

In Loreto steht eine Pilgerstätte
zu Ehren Marias; man sagt, es hätte
eine Engelschar das Haus der Maria
von Nazareth nach Italien geflogen,
sei dort noch drei Mal damit umgezogen,
um es in Sicherheit zu bringen,
und die, die drum stritten, zum Frieden zu zwingen;
überbaut und geborgen steht es nun da.

Dieses Märchen als Erklärung dient,
warum Ziegel, die vor zweitausend Jahren
in der Gegend um Nazareth hergestellt waren,
jetzt in Loreto gestapelt sind.

Italien ward einst in weiten Teilen
von Herrschern aus fremden Ländern regiert.
Um diese Wunde des Landes zu heilen,
sollt‘ es ein Nationalstaat sein,
von eigenen Leuten angeführt.

Konservative und Demokraten
schlugen verschiedene Wege ein.
Die Unruhen kosteten viele Soldaten
das Leben, und zum Gedenken daran
legte man einen Friedhof an
bei Castelfidardo, der erinnern soll
an ein Jahrhundert mit Umbrüchen voll.

 

Freitag, 03.03.2017

Eine Gruppe junger Abenteurer
fand einst in den Bergen ein Loch im Boden.
Um was darunter sei auszuloten,
warfen sie Steine herab und fanden,
daß diese wie im Nichts verschwanden.
Es mußte ein Hohlraum von ungeheurer
Größe hier unter ihnen sein.

Sie hatten die Frasassi-Grotten entdeckt,
Tropfsteinhöhlen, in denen so viel Volumen steckt,
da paßt der Mailänder Dom hinein. 

Stalagmiten und Stalagtiten,
von filigran bis meterhoch,
seit Urzeiten bis jetzt in Entwicklung noch:
Wasser tropft stets auf denselben Fleck.

Die Phantasie beflügeln die Gebilde:
Hexen, Teufel, Tiere, wilde,
sogar feine Scheiben von Speck,
ein Schloß mit Türmen von Stalagmit,
aus weißem, glitzernden Calcit,
auch bräunlich von Eisen und grau von Mangan.
Wir halten uns fest am blanken Geländer
und schauen voll Ehrfurcht die Pracht uns an.

Feucht und vierzehn Grad kühl ist die Luft,
darin liegt ein deutlicher Schwefelduft.
Krebse von kleiner, weißer Gestalt
brauchen des Wassers Schwefelgehalt,
um darin ihr Leben zu verbringen,
ohne jemals nach außen zu dringen.

Das byzantinisch Kirchlein San Vittore alle Chiuse
steht vor schroffer Berge rauher Kulisse.
Es ist schlicht, und in seiner Bescheidenheit
liegt sein Reiz seit tausend Jahren bis heut‘.

Um uns nach all dem wieder zu erden,
suchen wir Monte Carotto auf.
Da gibt es ein Weingut, auf dem werden
Weine zum Kosten ausgeschenkt
und angeboten zum Verkauf.
Nach all dem Probieren und Wein einkaufen
hat Robert uns angesäuselten Haufen
sicher wieder nach Hause gelenkt.

 

Samstag, 04.03.2017

In Montecôsaro gibt’s eine Basilika,
geweiht der Heiligen Maria,
seit tausend Jahren steht sie schon da. 

Zweistöckig, zweischiffig, eine doppelt geteilte
Kirche, in der oben das Volk nur weilte;
für die Mönche war das Parterre reserviert,
die haben da ihr Gebet zelebriert.

Ganz untypisch ist solche Bauweise hier,
französischer Einfluß ursächlich dafür,
wie auch für den Kranz aus kleinen Kapellen,
die den Chorraum von außen im Halbkreis umstellen.

San Claudio hat auch Unter- und Obergeschoß,
die man hier gänzlich trennte und baulich schloß.
Aus Ziegeln, mit zwei Türmen, schön anzuseh’n,
mag’s die älteste Kirche der Marken sein.
Seit dem achten Jahrhundert lädt sie ein
die Menschen, zu ihr zum Beten zu geh’n.

In Santa Maria di Chiaravalle di Fiastra
gab es eine Art Kastenwesen.
Geweihte durften die Messe lesen,
die Laien waren für’s Arbeiten da.

Die im zwölften Jahrhundert gebaute Abtei
ist romanisch, schlicht und schmucklos dabei,
nach Bernhards Vorschriften konstruiert
Hier leben die Mönche streng sortiert,
ob jemand geweiht oder Laie sei.

 

Sonntag, 05.03.2017

Wir fallen früher aus den Betten;
denn heute ist die Rückfahrt dran.
Die Straßen sind, wie wir’s gern immer hätten:
leer, wir haben freie Bahn.

Plötzlich ruft Roberts Kollege an,
der in Garmisch den Bus übernehmen sollte,
sagt, daß er nicht dorthin kommen kann,
weil der Zug, den er dazu nehmen wollte,
heute dummerweise nicht rollte. 

Doch weil die Fahrt so flüssig verlief,
ging trotz dieser Widrigkeiten nichts schief.
Noch innerhalb der erlaubten Zeit
erreichten wir unser Ziel sodann.
Mit ungetrübter Fröhlichkeit
die Gruppe ihren Dank dafür zollte.

© Ingrid Hecker

 

 

 

 

Rückblick auf die

Gemeindefahrt 2016

Ziel der traditionellen Gemeindefahrt war 2016 die Region nördlich von Rom; ein Höhepunkt des Programms stellte das Erlebnis der berühmten Denkmäler aus etruskischer Zeit (6.-2.Jh. v.Chr.) dar, die auch eine intensive Vorstellung eines Lebens nach dem Tod im Jenseits vermitteln. Die vielfältigen kulturellen, architektonischen und natürlichen Schönheiten dieser zentralen italienischen Region bildeten weitere Höhepunkte der Fahrt.

Und hier - wie gewohnt - das Reisetagebuch, geschrieben von Ingrid Hecker:

Evangelisch-Lutherische Passionsgemeinde München: Gemeindefahrt 2016

Latium nördlich von Rom - eine Fahrt (nicht) nur auf den Spuren der Etrusker - So, 07.02.–So, 14.2.2016

Kleines  Reise-Resümee

Sonntag, den 07.02.2016
Wir brechen auf ins Latium,
zu seh’n uns in der Gegend um.
Da hab’n vor Tausenden von Jahren
Etrusker, die die dort heimisch waren,
ihre Spuren hinterlassen,
die wir versuchen zu erfassen.

Bei leicht gedämpftem Sonnenschein
steigen wir bei Robert ein.
Der Wind wird stärker auf den Wegen,
Robert lenkt geschickt dagegen,
daß wir den Sturm erst dann bemerken,
als wir pausieren, uns zu stärken.

Allmählich ziehen Wolken auf,
der Wind treibt sie die Berge 'rauf,
gleich nach der Grenze gibt es Regen.

Gernot erzählt, fast aufgewühlt,
daß er sich stets besonders fühlt,
- nachdem den Brenner er erklommen -
wenn er im Süden angekommen.

Der starke Regen dauert an,
daß man nur wenig sehen kann.
Erst bei Verona hört er auf;
jetzt sähe man fast wieder weit,
doch nimmt der Abend seinen Lauf,
es bricht herein die Dunkelheit.

Rosenmontag, den 08.02.2016
Otto Wilhelm von Vaccano
erforschte der Etrusker Leben.

Da hätt’s ein Spannungsfeld gegeben:
sie gedachten Tod und Schicksal,
doch wichtig waren ebenso
Liebe, Lebensfreude, Festmahl
und auch ihre Religionen.

Wir fahren heut’ durch fünf Regionen.
Ein Ausblick soll besonders lohnen:
In Umbrien, auf 'nem Plateau,
thront die Domstadt Orvieto.
Auf des Domes Westportal
fällt nachmittags der Sonne Strahl.

Am Himmel stand ein Wolkenfeld,
so mußten wir ein Weilchen warten.
Nachdem wir lang’ genug verharrten,
ward doch noch die Stadt erhellt.

Fast jeder hat davon Fotos gemacht,
dann wurden wir nach Bolsena gebracht.
Im „Hotel Holiday“ wurden wir freundlich empfangen,
wir sind noch etwas spazieren gegangen,
es gab ein Vier-Gänge-Menü zur Nacht.

Faschingsdienstag, den 09.02.2016
Früh morgens sind wir aufgebrochen,
durch Wildnis und Natur gekrochen,
die Gegend war unwegsam und steil,
gottlob blieben wir alle heil
an Bändern, Sehnen, Muskeln und Knochen.

Ein Felsblock wie ein Strauß aus Säulen
lädt uns ein, kurz zu verweilen.
Der Säulen Ecken sind fünf bis sieben,
sie bestehen aus Basalt,
vom Vulkan dorthin getrieben,
wurd’ sodann die Lava kalt.

Der Etrusker Städte sind
fast ganz vom Erdboden verschwunden.
Nur noch ihre Nekropolen
lassen heute sich erkunden.
Die Gräber sind zumeist bestohlen,
so daß man leere Kammern find’t.

Bei Barbarano: Mittagspause.
Robert wirft die Küche an,
geschmückt mit grün-weiß-roter Schürze;
der Anblick gibt die rechte Würze.

Erst gibt es eine Würstchensause.
Rüdiger hat im Gepäck
ein ganz köstliches Gebäck,
das Christine buk zu Hause,
obwohl sie nicht dabeisein kann.
Feierlich schnitt er es an,
dankbar genossen wir sodann.

Nachmittags nach Norchia:
es gibt Würfelgräber da.
Kunstvoll in den Tuff gehauen,
ließ man Grabanlagen bauen.

Den Tuff, solang er feucht und weich,
muß man bearbeiten sogleich.
Trocknet er, härtet er aus,
besteht auf lange Zeit hinaus.

Aschermittwoch, den 10.02.2016
Wir fahr’n am Bolsenasee entlang,
im nördlichen Teil ist er ruhig und blank.  

Der Strand in der Sonne liegt glitzernd und schwarz
von Gestein aus Vulkanen anstatt von Quarz.

In Castro lebten schon Etruren,
und auf deren alten Spuren
entwickelte sich weiter die Stadt,
die zeitweilig ein Herzog angeführt hat.

Dann wurde ein Bischof eingesetzt,
der Herzog sah seine Rechte verletzt.
Der Papst in Rom hatte ihn übergangen.
Als der Bischof sich auf Reisen gemacht,
wurd’ er von jemandem umgebracht.

Dem Papst kam gelegen die Empörung,
er nutzte den Vorwand für eine Verschwörung.
So hat der Untergang angefangen:
der Papst befahl der Stadt Castro Zerstörung
und verleibte sie ein dem Gebiet seiner Macht.

Dann führt unser Weg nach Tuscania,
zu seh’n zwei romanische Kirchen da.
Das gelingt nur von weitem und nur von außen,
vor geschlossenen Toren, wir bleiben draußen.

Am Freitag wollen wir’s wieder versuchen.
Immerhin blieb uns der Aufstieg erspart
dank Roberts geschickter Rückwärtsfahrt.
Unten im Ort gab’s Kaffee und Kuchen.

Donnerstag, den 11.02.2016
Bei Tarquinia ist der Erdboden hohl,
darin sind rund zweitausend Nekropol’.
Die Grabkammern sind mit Figuren und Farben
bemalt in rot, ocker, braun, weiß und grau,
manche sogar in grün und blau,
wie immer die Farben gewonnen sie haben.

Die Kammern war’n voller Grabbeigaben:
Münzen, Gefäße, allerhand,
Schmuck und Fibeln für das Gewand.
Das sagt uns etwas über den Stand,
dem die Verstorbenen angehörten,
bevor sie der Erde den Rücken kehrten.

Vor der Stadt liegt ein Mittelmeerstrand
mit reichlich schwarz-grauem, feinem Sand.
Es ist, was einst die Vulkane ließen
als heiße Masse ins Meer sich ergießen.
Das hat es zerkleinert und abgekühlt
und mit der Zeit an die Küste gespült.

Freitag, den 12.02.2016
Johannes Fugger, einem Prälaten,
sollte einst dessen Diener verraten,
wo es die besten Weine gebe;
da sollt’ er am Stadttor vermerken: „Est!“

In Montefiascone fand er DIE Rebe;
begeistert rief er: „Est! Est!! Est!!!“

Das gab dem hehren Prälaten den Rest:
er trank von diesem Rebsaft zu viel,
so daß er ihm zum Opfer fiel.
Die Montefiasconer haben
ihn in San Flaviano begraben.
Daran erinnert alljährlich ein Fest.

Die Kirche mit ihrer Zweistöckigkeit,
den drei Apsiden in Kleeblattform,
steht in dieser Gegend abseits der Norm.
Ihr Bau ist wohl beeinflußt worden
von Reisenden aus dem hohen Norden,
die hierher kamen in jener Zeit.

Nach Tuscania kehrten wir nochmal zurück,
San Pietro zu sehen – heut’ hatten wir Glück.
Die Kirche mit eindrucksvoller Fassade,
mit Figuren und Szenen, teils ohne Gnade,
in der Krypta aus vierzig Säulen ein Wald,
bis zu anderthalb tausend Jahre alt.

Bei Viterbo sprudeln Schwefelquellen
aus der Erde in fünf befestigte Becken.
Darin behaglich sich auszustrecken,
erquickt bis ins Innerste sämtliche Zellen.

In Orvieto, von prominenter Stelle,
der gotische Dom die Stadt überstrahlt,
während er innen romanisch wirkt
und berühmte Reliquien birgt.

In San Brizio, einer Seitenkapelle,
ist das Ende der Welt an die Wand gemalt.
Der Künstler hieß Luca Signorelli,
seine Leidenschaft war die Anatomie.

Er liebte es, nackte Menschen zu malen,
dafür mußte er mit Problemen bezahlen:
seine Gegnerin war die Prüderie,
die sich damit gar nicht vertrug,
doch der er letztlich ein Schnippchen schlug.

Er malte Menschen, die aus Gräbern erstehen,
gegenüber, links unten ist er selber zu sehen,
dunkel gekleidet; was besonders besticht:
sein charakter- und ausdrucksvolles Gesicht. 

Samstag, den 13.02.2016
Vor fünfhundert Jahren lebte ein Mann
in Bomarzo mit Namen Vicini Orsini,
dem starb seine Frau, da wurde er traurig.
Für sie ließ er einen Park gestalten
nach seiner blühenden Phantasie,
mit Steinfiguren, groß und teils schaurig.

Es nagte der Zahn der Zeit daran.
Da fand sich zum Glück ein Signore Bettini,
dank seiner blieb der Park erhalten.

Viterbo wurd’ von Langobarden gegründet,
etruskischer Einfluß sich kaum mehr findet.
Als Zeichen der Freiheit der Bürger zieren
etliche Brunnen die Plätze der Stadt;
ein profanes und ein geistliches Zentrum sie hat.
Schrittweise ist es dem Bischof gelungen,
die Stadt in den Kirchenstaat zu integrieren;
mehr politische Macht hat er dadurch errungen.

Sonntag, den 14.02.2016
Das Aufsteh’n macht ein wenig Müh’,
wir starten pünktlich, aber früh.
Auf der Rückreise sind wir üppig gesegnet,
weil’s immer und überall kräftig regnet.

Doch läßt sich’s im Warmen friedlich dösen.
Nur wenn wir zur Pause dem Bus entstiegen,
kam der Regen solang’ zum Erliegen.
Damit hatten wir seltenes Glück.

Robert bringt uns bis Garmisch zurück,
da kam Paolo, ihn abzulösen.
Er fuhr uns nach München das letzte Stück.
So ging zu Ende die tolle Reise
in jetzt schon ziemlich vertrautem Kreise.

© Ingrid Hecker
 



Rückblick auf die

Gemeindefahrt 2015

„Frühes Christentum im Friaul“ (14.02.-21.02.2015/Faschingsferien)

 Die sechste Gemeindefahrt führte uns in der Faschingswoche 2015 ins Friaul im äußersten Nordosten Italiens. Offenbar war eine Reise zum frühen Christentum im Friaul so verlockend, dass unsere Gruppe 32 Teilnehmer umfasste. Der Hinweg führte uns noch an verschneiten Hängen mit wedelnden Skifahrern vorbei, bis wir am Sonntagabend unser Hotel „Hannover“ in Grado erreichten.
In den nächsten fünf Tagen erkundeten wir bei angenehmen Temperaturen und seidenblauem Himmel das Land zwischen den Karnischen Alpen und der Adria.
Unter Gernot Kachels Führung betrachteten wir großflächige Bodenmosaiken, langobardische Steinmetzkunst und mittelalterliche Fresken. Die biblische Geschichte war in romanischen und gotischen Kirchen immer wieder anders zu entdecken. Doch nicht nur die frühe christliche Kunst, sondern auch die wechselvolle Geschichte lernten wir kennen. Da gab es die Überreste eines römischen Hafens in Aquilea, die venezianische Festungsstadt Palmanova, die habsburgisch geprägte Stadt Udine und  den riesigen Soldatenfriedhof in Redipuglia, der mit 100 000 Toten an die grauenvollen Kämpfe der Isonzoschlachten zwischen Österreich und Italien im 1. Weltkrieg erinnert.
An jedem Tag gab es auch eine Pause, in der wir das Friaul sinnlich erkunden konnten. Wir gingen in verträumten Gassen spazieren, verkosteten den im Friaul erzeugten Wein und probierten den berühmten Schinken von San Daniele.
Was auch erwähnt werden muss: Im Februar gehört Italien den Einwohnern und den wenigen begeisterten Besuchern aus der Passionsgemeinde in München.
Irene Breuninger

Über diesen Text hinaus, der auch im Gemeindegruß steht, können Sie noch weitere Informationen über die Gemeindefahrt anschauen:
Weiter unten finden Sie das Reisetagebuch - in Versform! - von Ingrid Hecker, zu einem Reisebericht von Herrn Dr. Suerbaum gelangen Sie hier und zur Bildergalerie mit einigen fotografischen Eindrücken werden Sie hier geführt.


Und hier das Reisetagebuch, geschrieben von Ingrid Hecker:

Frühes Christentum im Friaul
14.–21.2.2015

Samstag, 14.2.2015

Wir sind auch dieses Jahr nicht faul
und touren wacker ins Friaul.
Die Bäume sind noch ohne Blätter,
doch strahlt schon helles Frühlingswetter.
Robert lenkt den Reisebus,
das ist, wie stets, für uns ein Muß.

Die Gruppe war noch nie so groß.
Gernot stellt die Neuen vor:
Westfalen, Franken, Hanseaten,
dabei sogar sein Professor.
Wir fahren guter Laune los.

Bereits ganz kurz nach unserm Starten
sind wir in einen Stau geraten.
Manche murren, andre schlafen,
doch ist’s die Landschaft durchaus wert,
daß man gemächlich durch sie fährt.

Schließlich schaffen wir den Paß,
dahinter wird das Wetter naß.
Wir kommen an im ersten Hafen,
in Rovereto. Auf uns warten
Speis’ und Trank, gar Bier vom Faß.

Sonntag, 15.2.2015

Den Lago di Loppio hab’n wir passiert,
der in der kalten Jahreszeit Wasser führt,
daß die Bäume darin fast zu viel davon kriegen;
im Sommer wird das Wasser versiegen,
so daß die Pflanzen im Trockenen liegen.

Am Gardasee, hinter den Bergen gelegen,
beginnt auf einmal der milde Süden.
Das konnte schon Goethe tief bewegen.
Oliven und Palmen gedeihen hier,
am Weg nach Verona sind sie eine Zier.
Der Vorfrühling breitet noch aus seinen Frieden.

Der Dom in Verona ist Zeno geweiht,
einem Bischof aus uralter Zeit.
Als Figur aus Marmor modelliert,
lächelt er in der Apsis, egal, was passiert.
Erfrischend, das einmal gesehen zu haben.
In der Krypta liegt er begraben.

Das Portal ist belegt mit bronzenen Bildern,
die Szenen aus der Bibel schildern. 

Nach Soave geht es zur Mittagsrast,
in der „Trattoria Amedeo“ sind wir zu Gast.
Wir genießen Esel, Polenta und Wein,
weiß, mit Apfelaroma, sehr fein.

Nach Osten geht’s weiter durch ebenes Land
mit hohen Bergen am nördlichen Rand
bis Grado; unser Hotel heißt „Hannover“.
Das Zimmer ist warm: raus aus dem Pullover!


Montag, 16.2.2015

Redipuglia anzuschauen,
erzählt von unfaßbarem Grauen.
Im Krieg vor nunmehr hundert Jahren
wurden hier in einer Schlacht
abertausende umgebracht;
teilweise kannten sie kaum die Gefahren.
Für wen sie auch gefochten haben,
gemeinsam sind sie hier begraben.

Zwei benachbarte Kirchen in Triest
wurden einst beide zusammen zu klein.
Man verband sie durch einen Mittelbau fest,
da paßten die Leute alle hinein.
So erhielt die Stadt einen Dom mit fünf Schiffen,
wie genial das ist, haben wir schnell begriffen.

In Sloveniens Untergrund
fließt der Timavo kilometerweit.
Bei Duino, aus einem felsigen Schlund,
wird er sprudelnd und gurgelnd befreit.
Nur kurz ist er dann ein offener Fluß,
weil er bald danach ins Meer münden muß.

Weit hinten im Dunst liegt das Schloß Miramar’,
das Maximilians Wohnsitz gewesen war.
Von außen wirkt es herrschaftlich,
innen sei es spießbürgerlich;
das findet Gernot fürchterlich,
er meint, besuchen lohnt sich nich’.


Dienstag, 17.2.2015

Westlich von Grado, im Hinterland,
gibt’s kleine Städte, wenig bekannt,
mit Kirchen aus vorromanischer Zeit,
es sind mit die ältesten weit und breit.

Während viel mehr als tausend Jahren
hat man sie umgebaut, renoviert,
ganz erneuert, anders verziert,
daß sie nicht mehr so sind wie sie waren.

Die Fresken, die Künstler auf Wände malten,
sind heute nur noch in Teilen erhalten.

Portogruaros Altstadtkern:
wer ihn sieht, hat sofort ihn gern.
Ein schiefer Kirchturm, der stehen bleibt,
ein fischreicher Fluß, der zwei Mühlräder treibt;
im Gasthaus gibt’s – nur für Männer – Tajut,
ein Vormittagsmahl mit Wein und Persut*.

*persut = friulanisch für prosciutto


Mittwoch, 18.2.2015

Grado im Meer, Aquileia an Landen
besitzen alte sakrale Bauten,
wo vorher schon Vorgängerkirchen standen,
die in der Antike das Himmelslicht schauten.
Die Fußböden, belegt mit Mosaiken,
beeindrucken stark, trotz etlicher Lücken.

Die Forscher haben die Funde gedeutet
als christlichen Ursprungs oder auch nicht.
Da waren sie teils von Wünschen geleitet
und ob es diesen jeweils entspricht. 

Im Museum der Archäologie
sind antike Schätze zusammengetragen.
Hier sieht man wie selten oder nie
Gläser aus alten römischen Tagen,
weiß und in vielen bunten Farben,
und wie sie die Menschen verwendet haben.


Donnerstag, 19.2.2015

Palmanova wurde als Bollwerk gebaut,
geplant für zwanzigtausend Personen.
Nur wollte am Anfang niemand drin wohnen.
So warb man bei Gefängnisinsassen,
die etwas verbrochen oder geklaut,
sich in der Neuneck-Stadt niederzulassen.

Passariano birgt die Villa Manin,
die ist angelegt wie der Vatikan.
1797 kam Napoleon hin
und fing mit Österreich kurzen Frieden an.

In San Daniele, nach alten Sitten,
wird Schinken gemacht und hauchdünn geschnitten.
Der Genuß von Brot, Wein und Schinkenscheiben
wird uns in bester Erinnerung bleiben.

In San Antonio Abbate gibt es zu sichten
Fresken, die erzählen biblische Geschichten.

In Spilimbergo der Dom ist Maria geweiht.
Mit seinem Renaissance-Orgelprospekt,
Altären, Gemälden längs und breit,
verdient er unser aller Respekt.


Freitag, 20.2.2015

Die Langobarden, ab dem Jahr 5-6-8,
haben in Italien sich breit gemacht.
Sie hinterließen einen Altar
aus hellgrauem Kalkstein, fast wie geweißelt,
in den sie Figuren hineingemeißelt
mit strengen Gesichtern, sonderbar.

Auf Wunsch wird er elektrisch angestrahlt
in den Farben, in denen er einmal bemalt
und prächtig anzusehen war.

Das Kallixtus-Taufbecken
mit seinen acht Ecken
ist mit Inschrift versehen und mancher Gestalt.

Im Langobardischen Tempelchen fand man vor
ein gotisches Gestühl im Chor,
darüber aus Stuck sechs edle Damen,
hinter deren Bedeutung die Forscher nicht kamen.

In Udine wird uns die Zeit etwas knapp.
Wir haben viel vor und geraten in Hast.
Vorm Castell scheitert die Aussicht am Dunst.

Wir betreten den Erzbischöflichen Palast.
Hier zeigten die Tiepolos hohe Kunst:
von der Decke fallen die Engel herab,
und in etlichen weiteren Sälen
gibt’s noch mehr Gemälde, kaum zu zählen.

Das Oratorio della Purità ist geschlossen.
Das schenkt uns Zeit; wir geh’n unverdrossen
ins Café Contarena im Jugendstil,
davon hat Udine nicht sehr viel.
Hier läßt es sich wunderbar genießen
und den Ausflug würdig beschließen.

Der Chef des Hotels lud uns ein in die Bar,
so rundet sich ab dieser Reise Reigen.
Der Bus ist beladen, die Köpfe sind klar,
von unseren Mägen ganz zu schweigen.
So ist’s bei fast jeder Touristenschar.

© Ingrid Hecker