Schön war's in Ligurien ...

Statt Fasching an die Riviera
Der Himmel wolkenlos, reife Zitronen an den Bäumen, leuchtend gelbe Mimosen, Palmen und das Rauschen der anrollenden Wellen am Strand; nur zum Baden ist es im Februar halt zu kalt…

Die diesjährige neunte Gemeindefahrt führte uns nach Ligurien, wo wir in dem kleinen Ort Varazze direkt am Meer untergebracht waren.

Auch dieses Jahr rätselten wir, warum in Italien tagsüber die meisten Fensterläden geschlossen sind und wie verschieden Palmenstämme beschnitten werden können.
Zum Glück konnte unser Reiseleiter Gernot Kachel die sonstigen Fragen der Gruppe von 34 Leuten stets zu aller Zufriedenheit beantworten. Wir reisten auf den Spuren großer Persönlichkeiten, die aus Ligurien stammen oder sich dort aufgehalten haben, wie Umberto Eco, der aus Alessandria stammt.
Am Faschingsdienstag besichtigten wir Genua, den Geburtsort von Christof Kolumbus und Andrea Doria. Wir besuchten den Friedhof Staglieno, der berühmt ist für viele imposante Grabmäler und auf dem einige von uns überraschend auf das Grab der Witwe von Oscar Wilde stießen. Während sich die italienischen Faschingstage im Allgemeinen nur durch Konfetti auf Straßen und Plätzen bemerkbar machen, erlebten wir in Genua zum ersten Mal sogar einen kleinen Umzug.
Leider war der Mittwoch der letzte strahlende Tag, der uns in die schöne alte Hafenstadt Noli führte. Dort hat sich im 16. Jahrhundert auch Giordano Bruno aufgehalten, um bei seiner Wanderschaft durch Europa in der Stille seine Kräfte zu sammeln. Eine weitere Berühmtheit veranlasste Friedrich Schiller zu der Tragödie: „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“.
Im Angesicht der Grablege der adligen Familie Fieschi in Lavagna trug Gernot Kachel aus diesem Stück eine besonders ergreifende Stelle vor. Auch dieses Jahr nahmen  Chormitglieder die Gelegenheit wahr, mit anderen Freiwilligen in der feierlichen Umgebung  ausgewählter Kirchen ein paar Kanons zu singen.

Zum ersten Mal dagegen machten wir einen Ausflug mit dem Schiff, um die Benediktinerabtei San Fruttuoso bei Camogli zu besichtigen. Und dass wir auf dem Weg zu einer Weinprobe im Alto Monferrato durch endlose schneebedeckte Weinberge fuhren, war ebenso eine neue Erfahrung.
Nach der Rückfahrt durch die Schweiz hatten uns im schneebedeckten München der Winter und der Alltag dann wieder.
Irene Breuninger

 Einen ausführlichen Reisebericht von Renate und Werner Suerbaum finden Sie mit diesem Link.

Und hier noch die Reisechronik von Ingrid Hecker:

Sonntag, 11.02.2018

Dieses Jahr zum neunten Mal
trifft der vertraute Pulk zusammen.
Ligurien ist Ziel der Wahl,
die Reise ist jubiläumsträchtig:
für Robert ist es die fünfzigste Fahrt,
die er mit Gernot durchgeführt hat.

Germot berichtet von seinem Examen,
das er vor nunmehr fünfzig Jahren
abgelegt, als wir noch jünger waren.
In so einem feierlichen Rahmen
geht es diesmal an den Start.

Bis Brescia reicht die erste Etappe,
die Autobahn ist stark frequentiert,
da sind die Staus schon programmiert.
Das Hotel ist aber prächtig,
schon dafür hat es sich gelohnt.
Sonst lief es bis jetzt wie gewohnt,
was vorerst unsere Nerven schont.
Müde sinken wir in die Klappe.

Rosenmontag, 12.02.2018

Zwischen Brescia, dem Etappenziel von gestern,
und Cremona bilden Graureiher Kolonien.
Ganze Baumkronen sind voll von Nestern,
in denen sie ihre Jungen großziehen.

In Cremona, der Hauptstadt des Geigenbaus,
sieht der Dom schon von weitem besonders aus.
Sein Turm ist der höchste im ganzen Land.
Von Romanik, Gotik, Renaissance bis Barock
sind alle Baustile angewandt,
je nachdem, was wann am Gebäude entstand.

Die Säulen wurden eckig verkleidet,
jede wirkt so wie ein klobiger Block.
Wer unter diesem Anblick leidet,
mag durch das Querhaus entschädigt werden:
mit seinen drei Schiffen ganz selten auf Erden.

Das Violin-Museum hätten wir gern genossen,
doch montags sind alle Museen geschlossen.

Das Hotel Savoy soll’ n für die nächsten sechs Tage
wir als Unterkunft genießen.
Am Strand von Varazze ist seine Lage.
Der Sand ist grob, mit Steinen belegt,
faustgroß, vom brandenden Meer überspült.
Wenn die Wellen darüber zurück wieder fließen,
ertönen Klänge, magisch und wild,
eine Musik, die alles bewegt,
nach der die Seele bald süchtig sich fühlt.

Faschingsdienstag, 13.02.2018

In Genua herrscht drangvolle Enge.
Die Stadt kann nicht wachsen in Breite und Länge,
also wird in die Höhe gebaut;
die Gassen sind schmal, die Geräusche sind laut.

Der Friedhof Staglieno ist monumental,
hier ruhen Menschen ohne Zahl,
Prominente und ganz einfache Leute
aus früherer Zeit wie auch von heute.

Man überblickt das ganze Gelände nicht;
denn der Baumbestand ist hoch und dicht.
Darin leben grüne Papageien,
die viel fressen und laut schreien.

Die Via Garibaldi ist von Palästen gesäumt,
von denen Richard Wagner begeistert war.
Mark Twain hat von den Frauen geträumt,
die er wohl scharenweise hier sah.

In zweien der Paläste, einer weiß, einer rot,
sind Gemäldesammlungen ausgestellt,
da werden teils schaurige Szenen erzählt;
die Hauptrolle spielt nicht selten der Tod.

Verlassen wir diesen Hort von Gemälden,
wenden uns zu einem halbseid‘ nen Helden,
der Andrea Doria hieß.
Sein Handwerk war die Piraterie,
die Einfluß, Macht und Geld ihm verlieh.
In der Kirche San Matteo hatte er auch was zu melden,
bevor er sich in ihr bestatten ließ.

Die Porta Soprana, das Hohe Tor,
markiert die frühere Grenze der Stadt.
Es heißt, daß in dem Häuschen davor
Christoph Columbus gewohnt einst hat,
bevor man ihm hier das Leben vergällte
und er sich in Spaniens Dienste stellte.
Der romanische Kreuzgang im Garten dabei
gehörte zur Sant‘ Andrea-Abtei.

Ein Portal im französisch-gotischen Stil
lädt ein, wer den Dom besuchen will.
Der ist San Lorenzo dediziert,
dessen grausiges Schicksal noch heute schockiert.
Der Dom ist im Innern romanisch gehalten,
doch reich verziert und bestückt mit Gestalten.
Dadurch wird die strenge Schlichtheit kaschiert.

Aschermittwoch, 14.02.2018

Noli bezaubert uns alle sehr
durch seinen Charme und die Lage am Meer.
Die ursprünglich byzantinische Stadt,
die selbst den berüchtigten Sarazenen
kraftvoll widerstanden hat,
war doch klein und suchte sich anzulehnen.
Die Obhut Genuas sollte es sein,
dies verleibte sich schließlich Noli ein.

San Paragorio, die Kirche, ist würdig und alt,
romanisch ist ihre Grundgestalt.
Auch aus der Antike zeigt sie noch Spuren,
Zeugen damaliger Baukulturen.

San Paragorio gab der Kirche den Namen.
Er soll aus dem Norden Afrikas stammen.
Als Märtyrer starb er durch rohe Gewalt.

Nach Albenga führt eine Küstenstraße
mit herrlichem Blick auf das funkelnde Meer.
Es steht ein verunglücktes Auto quer,
doch wir haben Zeit in genügendem Maße.

Albenga wurde von Römern gegründet,
darin sich ein Baptisterium findet,
eine frühchristliche Taufkapelle.
Sie steht in der Altstadt an einer Stelle
nur einen Meter über dem Meeresspiegel,
gemauert mit Mörtel aus altem Ziegel.

Achteckig ist im Innern das Haus,
zum Teil mit Mosaiken belegt,
restauriert und jetzt wieder gepflegt,
und jede Einzelheit sagt etwas aus.

Donnerstag, 15.02.2018

In Sezzádio blieb San Giustina erhalten,
frühromanisch und mit bewegter Geschichte.
Zu der Zeit, als es Otbert dem Ersten gehörte,
konnte dieser hier schalten und walten,
es war sein Recht, es war sein Eigen,
er unterstand soweit keinem Gerichte.

Als sich daran die Geistlichkeit störte,
die ihren Einfluß gefährdet sah,
und in solchen Fällen nie zimperlich war,
mußte letztlich ihrer Macht man sich beugen.

In des Klosters langem Leben
ließ man manches umgestalten.
So ist es wenigstens nicht verfallen
und kann heute noch uns allen
viel Erkenntnis über damals geben.
Das Mosaik in der Krypta ist einer der Zeugen.

Inzwischen hat Robert uns Würstchen gekocht,
so wie wir sie schon immer gemocht.
Der Tisch ist gedeckt mit reichlich Nahrung,
man merkt, wir haben schon langsam Erfahrung.

Das Wetter ist kalt, aber regenfrei,
zum Glück ist es auch noch windstill dabei.

Wir besuchen danach die Acqui-Therme.
Aus einem Brunnen in der Stadt
spendet dampfendes Wasser wohlige Wärme
jedem, der kalte Hände hat.

Durch des Monferrato Berge und Hügel,
von Winzern mit Mühe und Fleiß bestellt,
fahr‘ n wir zurück, schon ein wenig müde.
Der Zustand lockert merklich die Zügel,
im Bus herrscht ein behaglicher Friede,
doch die Landschaft ist prächtig,
was wach uns hält.

Freitag, 16.02.2018

Bei Recco auf der Autobahn
erinnert Gernot sich daran,
wie seine Eltern einst hier das Campen übten
und mit Brennstoff den Geschmack von Tomaten trübten.

Von Camogli, einer reizvollen Stadt,
fährt ein Boot, das San Fruttuoso zum Ziele hat.
Zu erreichen ist das nur über‘ s Meer,
als Zufluchtsort eignet es deshalb sich sehr.

Das Kloster, gegründet vor dreizehnhundert Jahren,
hat Aufbau, Verfall, Restaurierung erfahren.
Frühromanisch sind die ältesten Teile,
und während einer ganzen Weile
hat die Familie Doria
ihre Toten bestatten lassen da,
wie später in San Matteo zu Genua.

In Cogorno steht eine Basilika,
die für die Fieschi di Lavágna
einst die Familien-Grablege war.
Spätromanik und Frühgotik vereinen sich gar
zu einer Kirche in Zisterzienser-Manier:
statt rund sind die Apsiden eckig hier.

Graf Giovanni Luigi, meist Fiesco geheißen,
und Andrea Doria
traten einander als Gegner entgegen.
Es ging um die Macht über Genua,
die drohte letzterer an sich zu reißen.

Fiesco, der das verhindern wollte,
konnte für sich Helfer bewegen.
Es kam auf die Weise zu einer Revolte;
Dorias Neffe, der ihm nachfolgen sollte,
und Graf Fiesco verloren ihr Leben.
So ging die Aktion für alle daneben.

Die Begebenheit hat Schiller inspiriert,
er hat sie als Bühnenwerk inszeniert,
das wurde 1783 uraufgeführt.

Samstag, 17.02.2018

In Tiglieto die Zisterzienserabtei
ist romanisch, gotisch, barock errichtet.
Die Gemeinschaft der Mönche war von Obrigkeit frei,
doch intern streng hierarchisch geschichtet.

Für Eisenverhüttung und Landwirtschaft
verwendeten sie ihre Arbeitskraft.
Der Genueser Schiffsbau wurde mit Holz bestückt,
die Verkehrsanbindung dafür war geschickt.

Seit 575 Jahren gibt es hier keine Mönche mehr.
1648 wurde das Kloster privat übernommen.
Ein Freundeskreis bemüht sich sehr,
dem Gebäude alle Pflege zu geben.
Und sie hegen die Hoffnung dabei,
daß junge Zisterzienser kommen,
die das Kloster wiederbeleben.

Keine Gemeindefahrt der „Passion“ 
kam bisher ohne Weinprobe aus.
Zur Pflege dieser Tradition
fuhren wir nach Rocca Grimalda hinaus.

Eine kleine Kellerei
keltert biologisch einwandfrei
eine überschaubare Anzahl edler Essenzen.
Die Mengen halten sich jeweils in Grenzen.
Nur Familie und Freunde soll‘ n sich dran laben.
Welch Privileg für uns, daran teilzuhaben.
Nicht zuletzt Roberts Busfahrkunst
ermöglicht uns den Genuß dieser Gunst.

Sonntag, 18.02.2018

Zur Heimfahrt steuern wir nach Norden.
Kurz vor Mailand fällt uns ein:
das Gruppenfoto muß noch sein.
Die Umgebung ist dort häßlich,
als Kulisse einfach gräßlich.

Bei Chiasso geht‘ s erst mal in die Schweiz,
die Berglandschaft ist von besonderem Reiz.
Hier ist‘ s mit dem Foto noch etwas geworden. 

Der Comer und der Luganer See
liegen vor Bergen, bedeckt mit Schnee.
In Montagnola ist Hermann Hesses Grab,
der hier einst lebte und auch starb.
Das wird jetzt touristisch ausgeschlachtet,
was Gernot verabscheut und tief verachtet.

Wir erfahren, wo der Lago Maggiore sei,
doch gibt dichter Dunst dessen Anblick nicht frei.
Die San-Bernardino-Autobahn
führt in schwungvollen Kurven den Berg hinan.
Ein Tunnel von 6,6 km Länge
unterquert die unwegsamsten Hänge.

Auf der Via mala zu fahren, ist ganz komfortabel.
Früher war die Straße wohl recht miserabel.
An den Bergen hängt Eis wie lange Bärte,
darunter schlängelt sich die alte Fährte.

Dann müssen wir von der Autobahn,
die vorgeschriebene Pause steht an.
Am Gasthof Seeblick in Sufers sind wir genau in der Zeit,
die Wirtin hält warmes Essen bereit.
Schwizer Düütsch zu hören ist ein Genuß,
wenn man es nur nicht verstehen muß.

Durch‘ s Allgäu geht es mit Ablösepause,
dann sind wir erstaunlich früh zu Hause.

© Ingrid Hecker