Abschied - und Neubeginn

Jesus sagt: „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“ (Matthäus 25,36)

Liebe Gemeinde!
Dieser Satz Jesu soll in den nächsten 5 Jahren über meinem Berufsweg stehen. Der Landeskirchenrat hat mich kurz vor Weihnachten aufgrund meiner Zusatzqualifikationen wie Traumatherapie für die Besetzung der Gefängnisseelsorgestelle in der JVA Landshut ab dem Ostersonntag, 01.April 2018 benannt.

So muss ich mich sehr schnell von Ihnen und Euch verabschieden, weil ich eine Menge Urlaubstage wegzubringen habe, nach Landshut umziehe, und auch noch im März im Studienurlaub bei anderen Gefängnis-Pfarrer*innen hospitieren werde.
Ich habe Sie und Euch liebgewonnen, hier in unserem Passionskirchen-Gemeindegebiet und weit darüber hinaus! Von daher fällt mir der Abschied schwer. Es ist ein Abschied auf Raten: In den Altenheimen, in der Schule und bei unseren Konfis, beim Kirchenkaffee und bei den letzten Kasualien, in der Ökumene, mit den ehrenamtlichen Mitarbeitenden und den Kolleg*innen.  Ich erinnere mich sehr gerne an viele Begegnungen und Gespräche, Gottesdienste und Veranstaltungen. Das Thema „Kirche und Glaube in einer säkularen, multi- bis antireligiösen Umgebung“ wird mich weiter begleiten.  Als ich 2011 aus der Klinikseelsorge und der Betreuung sexuell traumatisierter Frauen aus dem Chiemgau in die Passionskirche kam, hatte ich ein völlig anderes Kirchenverständnis: Auf dem Land, keine 100km von hier, gilt Kirche noch viel und hat viel mehr Spielräume. Da musste ich mich erst einfinden und ich entschuldige mich für manches „Hineinstolpern“.

In der Zeit seit meinem Start 2011 gab es in unserem Gemeindegebiet viele Veränderungen: Viele Baugebiete wie etwa die Isar Südseite mit dem neuen Pflegezentrum wurden bezogen. 2016 hatten wir über 2000 Flüchtlinge im Gemeindegebiet.  Aufgrund neuer Vorschriften und einer neuen Dienstordnung mit einer 48 Stunden statt 56 Stunden Woche mussten manche Aufgabenbereiche umstrukturiert und abgegeben werden. Das ist nicht leicht („mehr“ ist immer schöner!), aber ich hoffe, halbwegs wohlgeordnete und geklärte Arbeitsbereiche zu hinterlassen. So ließen sich 2 Mitglieder des Kirchenvorstands zu Prädikant*innen ausbilden und übernehmen Gottesdienste. Wir wurden Pilgerkirche auf dem Jakobsweg und stehen damit in einer großen Gemeinschaft.

Meine Aufgaben waren die „nach außen“, also von Tansania über Weltgebetstag bis Gemeindebrief usw. Mein Kollege Rainer Hess hatte die Bereiche „nach innen“ von der Pfarramtsführung bis zur Hauskreisarbeit. Wir haben uns gut ergänzt, und ich sage Danke für die Zuverlässigkeit und Sorgfalt in unserer Zusammenarbeit!

Das Jahr 2017 war ein begeisterndes Jahr für mich, nicht nur in der Gemeinde. Das Feiern von 500 Jahre Reformation in Europa als Ökumene-Beauftragte zusammen mit unseren katholischen Nachbargemeinden war ein Highlight. Auch ein Herzenswunsch von mir ging 2017 in Erfüllung:  Unsere Kirche hat neue Polster! So gehe ich mit zufriedenem Herzen.  (...)
Die Kinder sind (fast…) alle aus dem Haus. Im Juni werde ich zum dritten Mal Oma und bleibe mit Landshut für meine Familie und die Enkel erreichbar.

Eine Neuorientierung für den letzten Berufsabschnitt vor dem Ruhestand sehe ich als große Chance und Bereicherung. Ich bin schon sehr gespannt auf das Arbeiten als Seelsorgerin im Team mit anderen sozialen und kirchlichen Diensten in einem modernen, senioren- und behindertengerechten Gefängnis mit einer sehr schönen Kapelle.

So bleibt mir nur, Danke zu sagen für die Zeit hier und das gemeinsame Miteinander auf dem Weg.

Behüte Gott Sie und Euch!
Anne Loreck-Schwab

Am Sonntag, 25.02.2018 um 10.00 Uhr wird Pfarrerin Loreck-Schwab von Dekan Grötzner im Gottesdienst mit anschließendem Stehempfang verabschiedet. Dazu lädt der Kirchenvorstand sehr herzlich ein!